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Ringvorlesung „Demokratie und Gewalt“

Im Rahmen der im aktuellen Sommersemester stattfindenen Rinvorlesung der vernetzten politischen Hochschulgruppen unter dem Thema „Demokratie und Gewalt“ richtet die AHSG wieder zwei Veranstaltungen aus. Die erste wird am 27. Juni 2012 von Manfred Dahlmann unter dem Titel »Johannes Agnoli und der Begriff der Form« gehalten:

Die entscheidende Differenz zwischen Marx und den Marxisten ist darin zu sehen, dass letztere unter Materialismus eine Praxis verstehen, der es vor allem anderen um Inhalte zu gehen habe – ungeachtet der Tatsache, dass im Marxschen Kapital nahezu auf jeder Seite ausschließlich von Formen die Rede ist: also von Geldform, Äquivalentform, Wertform, Lohnform u. v. a. m.
Johannes Agnoli war einer der wenigen ‚Marxisten’, die darauf bestanden, dass die praktischen Implikationen derartiger Formen ins Bewußtsein zu heben seien. Besonders in seiner Lehrtätigkeit legte er dar, dass nur ein Materialismusbegriff, der den Blick auf die Logiken konzentriert, in denen in dieser Gesellschaft Politik betrieben wird: also in den Formen von Staat, Recht und Geld, wirklich kritisch sein kann. Natürlich, auch ihm ging es um Inhalte, doch begriffen werden können diese erst, wenn zuvor erkannt worden ist, in welcher Weise sie die Form Kapital konstituieren. Materialistische Kritik kann deshalb, anders als jeder Arbeiterbewegungsmarxismus meint, nur heißen, eine jede Praxis zu denunzieren, dank der das Kapital einen jeden Inhalt, also gerade auch den oppositionell ‚gemeinten’, gesellschaftlich für sich institutionalisiert.

Eine Woche später, am 4. Juli 2012 wird Stephan Grigat zum Thema »Postnazistische Demokratie – Die Verwaltung der Resultate des Nationalsozialismus durch den „Rechtsnachfolger des Dritten Reiches“« referieren:

Recht erscheint nicht mehr als Gewalt, obwohl jedes Recht nur durch unmittelbar anwesende oder im Hintergrund schlummernde Gewalt wirksam wird. Wenn die Entstehungsgeschichte des Staates im Prozess der Staatsbildung verschwindet, erscheint der Staat als naturhaft und wird zum Fetisch. Das Gewaltmonopol des Staates befähigt ihn zur Ausübung seiner Macht, die zugleich dafür sorgt, dass dieses Monopol als naturgegeben akzeptiert wird. Der Staat praktiziert Ausübung von Gewalt und deren Verschleierung in einem. Doch Staat ist nicht gleich Staat. Was heißt Staatsgewalt in einem Land, in dem die schlimmste jemals entfesselte Gewalt nie ernsthaft geahndet wurde und offener Judenhass in sekundären Antisemitismus sowie das Ressentiment gegen Israel transformiert wurde? Und was bedeutet es für die Verallgemeinerung des Postnazismus, wenn in den Nachfolgegesellschaften des Nationalsozialismus die Gewaltsamkeit der eigenen Staatswesen abgespalten und auf den „Juden unter den Staaten“, Israel, projeziert wird, von dem knapp 70 Prozent der Deutschen in völliger Geschichtsverdrehung des Nahen Ostens meinen, es führe einen „Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser“?


Informationen zur gesamten Ringvorlesung unter folgendem Link:

2012 – Neues (und) Altes in der Hauptstadtprovinz

Mit dem neuen Jahr steht wieder mal auch ein neues altes Ritual an, das uns aus dem Winterschlaf weckt: das alljährliche Rumgeopfere von Bürger_innen und Nazis anlässlich des 13. Februars, wenngleich sich immerhin abzeichnet, dass es diesen Februar wohl nur einen Nazi-Aufmarsch geben wird, nämlich den vom „Aktionsbündnis gegen das Vergessen“ organisierten Aufmarsch am 13. Februar – der Großaufmarsch, der bisher (fast) jedes Jahr von der JLO organisiert wurde, wird wahrscheinlich dieses Jahr aus verschiedenen Gründen, die sich hier nachlesen lassen, ausfallen. Das ist schön! Und noch schöner ist, dass es am 18. Februar auch wieder mal eine Antifa-Demo in Dresden geben wird: gegen die sächsische Demokratie und das Extremismus-Konstrukt und andere Unannehmlichkeiten hiesiger Provenienz. Als ein aktuelles Beispiel sei nur der ebenso rumopfernde Innenminister Ulbig genannt, der auf das nicht mehr wegzuleugnende Nazi-Problem zwar auch keine Antworten weiß und daher mal sein Volk fragt, aber sich immerhin sicher ist, dass Antifaschismus nicht die richtige Antwort sei. Aha! Das bestätigt nur: In Sachsen stinkt Deutschland definitiv am scheußlichsten – und das wird am 18.2. zum Thema gemacht!

Trotz alledem oder vielleicht auch gerade deswegen findet am Wochenende des 28./29. Januar ein Kongress zu Zivilem Ungehorsam statt, der v.a. durch seine internationale Perspektive verspricht sehr interessant zu werden – es wird Veranstaltungen zu der Arabischen Revolte geben, aber auch zu den Bedingungen heutigen Protests im Allgemeinen.

Zum Thema Protest: An der TU prozessiert weiterhin der Stillstand, zur Zeit jedoch eher mal wieder in Form von Rückschritten die Lehre betreffend, sowie Versuchen des „Widerstandes“, die dagegen geübt werden, darunter sogar eine Rektoratsbesetzung, womit für Dresdner Verhältnisse eine ungeahnte Dimension erreicht wird. Ändern wird sich aber vermutlich eh nichts, zumindest nichts signifikant wichtiges.
Die „Occupy“-Bewegung übrigens nervt jetzt verstärkt auch in Dresden und immer mehr auch außerhalb der Uni, am 15.1. gab es sogar eine zweite Demo. Die Verhältnisse erzittern!

Abschließend bleibt zu bemerken, dass die in der Dresdner linken/autonomen Szene dringend anstehende Gewaltdiskussion weiterhin verschleppt wird und dass wir die Streitschrift des blogs contre la gravitation unterstützen – und an dieser Stelle weisen wir noch auf die politische Ringvorlesung des nächsten Semesters unter dem Titel „Demokratie und Gewalt“ hin, bei der es auch einen Vortrag zur Kritik der Politischen Gewalt (hoffentlich) geben wird. Dazu werden sich in den nächsten Monaten die entsprechenden Hinweise hier und auf befreundeten Internetseiten finden…

so weit – so durchwachsen.
antifaschismus bleibt auf alle fälle wichtig! also: keep your eyes open!
¡venceremos!


Keine Versöhnung mit Deutschland!

Veranstaltungsreihe zu Israelkritik und Antizionismus

Das Referat Politische Bildung veranstaltet nächste Woche eine Reihe von Vorträgen zum Antizionismus und dessen Name hierfür in Antisemiten-Kreisen: Israelkritik, die ja wohl noch erlaubt sein wird, wie es immer wieder heißt, wenn entsprechendes Klientel ihr Ressentiment gegen die Juden und den Hass auf deren Staat zu verpacken versucht. Speziell mit Blick auf die aktuelle Situation, die von den Entwicklungen des „arabischen Frühlings“ sowie der UN-Initative des Palästinenser-Präsidenten Abbas geprägt ist, werden Alex Feuerherdt und Thomas von der Osten-Sacken in ihren Vorträgen diesen Phänomenen nachgehen. Außerdem wird Claude Lanzmanns Film Warum Israel? gezeigt.
Die Veranstaltungen finden jeweils Dienstag bis Donnerstag, 25. bis 27.10. um 18.30 Uhr im Hörsaalzentrum der TU Dresden, Raum HSZ-201 statt.

Mehr Infos dazu hier…

Mitschnitt Vortrag Stephan Grigat „Ressentiments gegen Spekulanten – Hass auf Israel“ vom 6. Juli 2011

Den im Rahmen der Ringvorlesung der politischen Hochschulgruppen gehaltenen Vortrag gibt es hier zum anhören und runterladen: Vortrag Stephan Grigat: Ressentiments gegen Spekulanten – Hass auf Israel. Das antiemanzipatorische Programm der Antiglobalisierungsbewegung

Beisheim-Saal: schließlich doch noch ein Einsehen

Vor einigen Tagen wurden die beiden Plaketten, die den Festsaal der Fakultät Wirtschaftswissenschaften 17 Jahre lang als Otto-Beisheim-Saal auswiesen, offiziell, aber ohne großes Aufsehen entfernt. Das lange Kapitel eines unsäglichen Zeichens für fragwürdigen Umgang mit Geschichte findet damit (hoffentlich) ein Ende. Eine ausführliche Stellungnahme dazu findet sich auf der Stura-Homepage. Es bleibt aber weiterhin auf eine Aberkennung der Ehrendoktorwürde von Otto Beisheim zu warten und zu drängen.
Mehr Infos zur Geschichte Otto Beisheims und des nach ihm benannten Saales in unserer Sektion Beisheim-Kampagne.

Juni/Juli 2010