Offener Brief der Antifa-Hochschulgruppe an den Rektor der TU Dresden

Dresden, 22.09.05

Antifaschistische Hochschulgruppe Dresden
a.l.i.a.s.
Böhmische Straße 12
01099 Dresden
E-Mail: antifa-hsg@web.de

Rektorat der TU Dresden
Magnifizenz Prof. Dipl.-Ing. Hermann Kokenge
Mommsenstraße 13
01069 Dresden

Offener Brief: Auseinandersetzung mit Otto Beisheim

Sehr geehrter Herr Rektor Prof. Kokenge,

wir möchten hiermit die TU Dresden zu einer öffentlichen Auseinandersetzung mit der Person Otto Beisheims auffordern. Am 18.11.05 wird das 7. Otto Beisheim Kolloquium im Hörsaalzentrum der Universität stattfinden.

Der verbreitete Lebenslauf Otto Beisheims weist für die Jahre 1941 bis 1949 eine Lücke auf. Meinungen, dass er bis 1945 SS-Scharführer bei der Leibstandarte Adolf Hitler war, ist er bisher nicht entgegengetreten. Die Indizien sind eine Krankenakte in der Wehrmachtsauskunftsstelle von 1943 und ein Artikel von Franz Schönhuber, in dem er schreibt, er habe wie Otto Beisheim bei der SS-Leibstandarte „seine Ausbildungszeit absolviert“. Im Anhang dieses Schreibens befindet sich ein kurzes Quellenverzeichnis zu verschiedenen Publikationen, welche auf diese Ungereimtheiten in Beisheims Biographie hinweisen.

Sollte Herr Otto Beisheim die vermutete Mitgliedschaft in der Waffen-SS nicht widerlegen können, dann fordern wir hiermit das Schild „Otto-Beisheim-Saal“, welches neben dem Festsaal der Fakultät Wirtschaftswissenschaften angebracht ist, ersatzlos von dort zu entfernen. Außerdem fordern wir die TU Dresden dann dazu auf Herrn Otto Beisheim die Ehrendoktorwürde der Universität abzuerkennen.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihre Antifaschistische Hochschulgruppe Dresden

Kurzes Quellenverzeichnis zur Vergangenheit von Otto Beisheim

  • Michael Radtke, Außer Kontrolle. Die Medienmacht des Leo Kirch, Bern, München: Edition Hans Erpf 1994, S. 311-315
    Zitat: „Schließlich kam doch etwas heraus: Beisheim muß Scharführer bei der Waffen-SS, Leibstandarte Adolf Hitler, gewesen sein; …“
  • Andreas Förster, Metro. Weißer Fleck im Lebenslauf, Berliner Zeitung vom 10.01.2004, [auch online unter: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2004/0110/wirtschaft/0064/]

    Zitat: „Eine Ausnahme aber gibt es: In einer Krankenakte, die in der Wehrmachtsauskunftsstelle verwahrt wird, taucht ein Otto Beisheim auf, der als SS-Scharführer bei der Leibstandarte Adolf Hitler diente und 1943 verletzt wurde. Ist der Metro-Gründer identisch mit diesem SS-Mann? Eindeutige Beweise gibt es nicht, aber auch keinen Widerspruch des Wahlschweizers.

    Der weiße Fleck in seiner Biografie hat Beisheim nur einmal richtigen Ärger beschert: 1995 verhinderten Studentenproteste in Mannheim, dass der Unternehmer Ehrensenator der dortigen Universität wird.“

  • Georg Meck, Im Portrait: Otto Beisheim. Der Geheimnisvolle., Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 28.12.2003
  • Otto Köhler, Ein Herrschersitz in der Metro-Welten Mitte, Wochenzeitung „Freitag“ vom 28.01.2005,
    [auch online unter: http://www.freitag.de/2004/04/04040501.php]
  • Internetportal für Kunst, Politik und Bildung, Wer ist Otto Beisheim?, online unter: http://www.openspace32.de/ms/ob.html