Von Gulaschkommunisten und Kindern aus dem Otto-Katalog – Warum ist niemand so schlau wie Herr Z?

Seit längerem begründen StudentInnen, Mitglieder des FSR Philosophie und Lehrende am Institut für Soziologie ihren Unmut gegenüber den am Lehrstuhl für Makrosoziologie tätigen Prof. Zimmermann mit sachlicher Kritik, deren Aufnahme sich allerdings nicht in seinen Veranstaltungen äussert.

Prof. Zimmermann bietet beispielsweise in seiner Vorlesung „Wege der Globalisierung“ ein breites Repertoir diskriminierender, vorurteilsbehafteter faktisch falscher Plattitüden, mit denen er weder seinen Lehrauftrag noch gängige demokratische Vorstellungen von Gleichberechtigung erfüllt. Frauenfeindlichkeit bishin zu Sexismus, Rassismus, Antisemitismus und autoritäres Disziplinarverständnis prägen den Umgang mit StudentInnen, deren Einwände er mit zynischen Beleidigungen abbügelt. Die inhaltliche Nicht-Strukturierung der Veranstaltungen spiegelt die Ignoranz wiederholter studentischer Forderungen wieder.

Konkrete wissenschaftlich nicht-begründbare Falschdarstellungen treffen meist sozial Benachteilgte, wie Arbeitslose, SozialhilfeempfängerInnen und MigrantInnen: „Dann kamen die Diebe. Heute nennt man das Asylanten, Einwanderer in unser Sozialsystem. Hat es ja auch gegeben. Die ganze Bibel ist voll davon.“ Arbeitsscheuen Leuten sei noch nie ein Arbeitsplatz weggenommen worden, ist eine seiner beliebtesten Verkennungen der Realität. „Die Arbeit sei endlich ist eine Lieblingsvorstellung der Gewerkschaftler und schlichter deutscher Hausfrauen.“ folgen Vorschläge, Arbeitsmöglichkeiten bestünden beispielsweise darin, Prof. Zimmermann Chauffeurdienste anzubieten, ein persönliches Shuttle, in dem er schneller und bequemer als mit der Bahn zur Vorlesung nach Dresden fahren und gleichzeitig seine Vorlesung vorbereiten könnte. Warum er vorbereiten will, wovon er nicht redet, treibt keine Arbeitssuchende in die erniedrigende Position, an überheblicher diskursiver Entblössung teilhaben zu müssen.

Als eben auf dem von Zimmermann nicht erwähnten konkreten Arbeitsmarkt diskriminierten Frau wären Stories wie „Wenn sie in die Schweiz fahren, werden sie vom Zöllner gefragt: ‚Haben Sie Fleisch dabei‘. Letztens war meine Frau dabei – Sie können sich vorstellen, was ich da gesagt habe.“ Oder „Früher war das so: er hatte die Bildung, sie hatte nichts: Golden Age“ oder „Wir wollen ein Auto mit Blondine und Anhänger – das wird natürlich teurer“ oder „Fahrradbeauftragte und Gleichstellungsbeauftragte und was es nicht alles gibt. Das bringt doch keinen Produktivitätsgewinn auf dem Weltmarkt.“ Oder „Die fallen nicht in Ohnmacht, wenn sie ein Prozentzeichen sehen und ersetzen das durch ‚gender‘. Die fallen nicht von einer Macke in die andere.“

Die unproduktiv-romantischen Emanzipationsvorstellungen sozialer Bewegungen fechten also einen Windmühlenkampf. Klein, dick und dumm piksen sie den erratischen Block, weit bekannt als die offensichtliche Objektivität gesellschaftlicher Entwicklungen.

Um in Herrn Zimmermanns Rhetorik zu verweilen: Zum Lohn fällt ihnen ein Stück ihrer Freisetzung auf die eigenen Füsse.
Kanonisch reiht er sich makrosoziologisierend mit seiner Beschreibung der soziostrukturellen Situation in Deutschland ein in den Kreis reproduktionsfanatischer, volkstümelnder Biologisten, denen kein persönlicher Affront für ein Katastrophenszenario zu nichtig ist: „Wir alle werden Homosexuelle und Lesben und bestellen die Kinder aus dem Otto-Katalog.“

Oder, oder, oder…

Wagt sich Herr Zimmermann an historische Tatsachen, fällt er von der in Deutschland üblichen Spitze der Verdrängung planvoller Täterschaft im NS allerdings mit viel Schwung den Lügenberg hinunter: in diesem Sinne wären Holocaust, Rassismus und Totalitarismus ein Testosteron-Problem gewesen, wie es sich denn auch in China anbahnte, da dort für 100 Millionen Männer das Substitutionsobjekt Frau fehle.
Bei einem solchen Konglomerat verharmlosender Biologisierungen würgt es einer bei der Vorstellung von westlicher Zivilisation, deren Zukunft Herr Z. gerade durch China gefährdet sieht.
Ihm sein ungebrochenes Verhältnis zur Verwendung antisemitischer Klischees –“Das Zerschlagen von Unternehmen und die damit verbundene Rendite ist funktional das Gleiche, was die Deutschen mit den Juden gemacht haben.“– dann nur als provokatives Mittel auszulegen, „höhnt der Opfer“.

„Nur Geld macht die Leute wirklich gleich und demokratisiert sie auch.“

Schmunzeln könnte man über diese Demagogie, fiele sie am speakers-corner oder in der Witz-Ecke der FAZ. Leider ist diese Qualität der kümmerlichen Andeutungen über Theorien –“Alles ist Markt. Auch die Natur ist Markt.“– oder Fachliteratur zum eigentlichen Fachbereich, dem ökonomischen, so dass einer auch nach dem Besuch der Vorlesung nichts besseres einfällt als die paternalistischen Tips: „Es gibt überhaupt kein einziges Argument gegen Studiengebühren.“ Oder „Die Kernenergie wird sich in Deutschland bald wieder breit machen müssen. Es sei denn sie wollen in ihrem Studierzimmer bald mit Kerzen rumsitzen.“

Und dann wäre da noch der Umgang mit der Konkurrenz: „Beck hat von nichts eine Ahnung. Er hat einfach überhaupt keine Ahnung.“ Zumindest die Becksche Einforderung von „Individualität, Kreativität, Selbstbewusstsein und Selbstverantwortlichkeit“, die nicht den Idealen der Aufklärung, sondern dem „ökonomischen Realismus der Weltwirtschaft“ folge, dürfte einen gemeinsamen Schnittpunkt wert sein. Dem rhetorischen Zugeständnis, neben den bejubelten „vernetzten kosmopolitischen Eliten“ auch der „territorial gebundenen arbeitenden und denkenden Mittelschicht“ einen Zugang zur „Massenerziehung“ zu bieten, verweigert sich Herr Z.

Warum ist also niemand so schlau wie Herr Z?
Weil Ossis „bis 11 Karten gespielt und auf Material gewartet haben, um dann Ausschau nach Bananen zu halten.“?
Weil „die Ungarn immernoch auf Gulaschkommunismus machen“?
Weil „…was in Deutschland fehlt ist Disziplin und Selbstdisziplin, sowie diejenigen, welche das den Leuten beibringen.“?

Dieser Text ist keine Veröffentlichung der Antifa-HSG, er wird hier lediglich gespiegelt.