Uni ist nicht heile Welt – part two: Gegen den Vortrag des Ex-Generals Günzel bei der Cheruscia

Am 9. Dezember 2004 wird der Brigadegeneral a. D. Reinhard Günzel einen Vortrag zum Ethos des Offizierkorps am Beispiel der Affäre Hohmann/Günzel halten. Als Veranstalter tritt die Burschenschaft Cheruscia Dresden auf die auch gleichzeitig ihre Räume in der Eisenstuckstraße zur Verfügung stellt. Dies ist nicht verwunderlich, da diese Burschenschaft schon öfters Vorträge mit rechts-konservativen und neofaschistischen Inhalten veranstaltete. Zu diesen finden sich meistens auch bekannte Neonazis, wie z. B. die Mitglieder des Nationalen Bündnisses Dresden und der Jungen Landsmanschaft Ostpreußen Elli Dobberstein und Alexander Kleber, ein. Letzterer wohnte während seiner Studienzeit in der Villa der Cheruscia. Mitglieder der Burschenschaft nahmen auch an den schwarz-braunen Dresdner Freitagsgesprächen teil, welche von dem ehemaligen Wiking-Jugend – Aktivisten Hans Holger Malcomeß Ende der 90er initiert wurden.

Seine Braune Generalität

Bekannt wurde der Brigadegeneral a.D. Reinhard Günzel mit seinem Dankesbrief an den ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann, in dem er ihm „Eine ausgezeichnete Ansprache – wenn ich mir dieses Urteil erlauben darf – wie man sie mit diesem Mut zur Klarheit und Wahrheit in unserem Land nur noch sehr selten hört und liest.“ attestierte. In der antisemitischen und revisionistischen Rede zum Tag der Deutschen Einheit 2003 halluzinierte Hohmann eine jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung herbei. Nach einem pseudo-historischen Diskurs behauptete Hohmann, dass die große Mehrheit der kommunistischen Revolutionsführung von 1917 Juden waren und stellte daraufhin die Frage, ob man Juden mit einiger Berechtigung nicht auch als Tätervolk bezeichnen könne, wenn das mit der deutschen Bevölkerung im NS auch getan wird. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Dankesbriefes wurde Günzel durch Verteidigungsminister Struck unehrenhaft aus der Bundeswehr entlassen. Günzel ist schon vor 2003 auffällig geworden. Er liess bspw. als Kommandeur eines Fallschirmjägerbataillons das Singen der inoffiziellen Hymne der Fallschirmjäger, „Rot ist die Sonne“ zu. Das Lied wurde 1940 in der Hochphase der NS-Eroberungsfeldzüge geschrieben. Demokratisches Verständnis zeigte er auch als Kommandeur der Jägerbrigade 37 in Sachsen. Dort drohte er an, eine Protestdemonstration gewaltsam durch seine Soldaten auflösen zu lassen. Als 1997 bekannt wurde, dass Angehörige des Gebirgsjägerbataillons 571 im sächsischen Schneeberg rechtsextremistische Videos gedreht hatten, ordnete der damalige Verteidigungsminister Volker Rühe seine Versetzung an. Dass der Fall Günzel in der Geschichte der Bundeswehr nur einer von vielen ist, sollte allen klar sein. Immer wieder kommt es vor, dass pensionierte Generäle bei rechten Veranstaltungen auftreten oder wie der Generalmajor a.D. Gerd Schultze-Rhonhof Bücher schreiben, in denen den Polen eine Mitschuld am Zweiten Weltkrieg gegeben wird. Der Rechtsterrorist Manfred Roeder wurde zu einem Vortrag an die Führungsakademie der Bundeswehr eingeladen. Auch ist bekannt, dass hochrangige Bundeswehrsoldaten ständig bei Treffen von Ritterkreuzträgern teilnehmen. Die Bundeswehr hält es nicht für nötig sich von diesen meist Altnazis zu distanzieren.

Nach vierzig Jahren bei der Bundeswehr hat Günzel bei der neuen Rechten eine Heimat gefunden!

Nachdem Reinhard Günzel nun militärisch aus dem Rennen ist, hält er es nach wie vor für nötig, sich mitzuteilen und von dem ihm angetanen Unheil zu berichten. Über die Geschehnisse seiner Entlassung gab er den neu-rechten Zeitungen JUNGE FREIHEIT (JF) und AULA Interviews. Für die vom Verfassungsschutz beobachtete JF versuchte er sich auch als Autor eines Artikels. Desweiteren wurde er vom extrem rechten Institut für Staatspolitik eingeladen um über den „Ethos des Offiziers“ zu referieren – dieselbe Veranstaltung scheint jetzt in Dresden stattfinden zu sollen. Mittlerweile agiert Günzel politisch offener und benutzt eindeutig rechtes Vokabular. Er sieht sich als Opfer des „linken Lagers“: „Dass im Namen dieses Krebsgeschwüres ‚Political Correctness‘ Geschichte gefälscht und Recht gebeugt wird, dass Karrieren zerstört und Menschen ruiniert werden“. Die Tätervolk-These bezeichnet er als „intellektuelle Selbstverstümmelung“ und nennt die Singularität des Holocaust „Zwang“ der den Deutschen durch die Siegermächte „oktroyiert“ wurde. Diesen Revisionismus setzt er mit seinen Ansichten zur Bundeswehr fort die in seinen Augen „weder patriotisch noch soldatisch sein darf“. Er fordert eine stärkere Orientierung an der Wehrmacht in Bezug auf den Soldatenethos und leugnet die Verbrechen der Wehrmacht im 2. Weltkrieg.
Der gegenwärtige Geschichtsdiskurs ist von einem zunehmenden Revisionismus geprägt, die Diskussionen um deutsche Schuld und die Rolle „der Juden“ haben in den letzten Jahren ein erschreckendes Ausmaß erreicht. Nach dem Ende des Historikerstreits wurde die Lawine erneut von Martin Walser losgetreten, der in seiner Paulskirchenrede unverhohlen forderte, einen Schlussstrich unter die deutsche Vergangenheit zu ziehen. Die folgenden Debatten um die Ausstellung Verbrechen der Wehrmacht , Jürgen Möllemann, Jörg Friedrich mit dem unsäglichen Buch „Der Brand“ über die alliierten Bombenangriffe auf Deutschland und natürlich Martin Hohmann und Reinhard Günzel hatten das gleiche Ziel, welches von ihren Protagonisten auch offen ausgesprochen wird: der Nationalsozialismus soll verharmlost werden, um einen Schlussstrich unter die deutschen Verbrechen ziehen und sich endlich wieder „nationalen Aufgaben“ (Walser) widmen zu können.
Günzel in der AULA: „Ich habe in der Tat mehrere Vorträge vor Burschenschaften gehalten, und ich habe mich immer auf Anhieb dort wohlgefühlt. Es war eine Haltung und eine Stimmung zu spüren, die man ansonsten in unserem Staat, in unserem Land nur noch selten in dieser Form antrifft.“

Deshalb sollte nicht nur Günzel, sondern auch die Burschenschaften abgewickelt werden.

Antisemitische und nationalistische Propaganda auspfeifen, Burschenschaften anfechten!

Kommt alle, damit wir uns gemeinsam diesem Nazi-Burschi-Dreck entgegenstellen können, am 19. Dezember um 19 Uhr an die Unibuchhandlung auf der Nürnberger Straße!

Antifa-Hochschulgruppe

Text als *.pdf downloaden